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    Leo Reithmayr teilt seine Erfahrungen als KEBA Expatriate in China:

    2 Jahre in China - Ein fremdes Land wird vertraut

    11.11.2019

    Leo lebte 2 Jahre in China und arbeitete als Strategischer Einkäufer für KEBA. Er stellte sich der Aufgabe und der Herausforderung, im Joint Venture in Peking die kaufmännischen Bereiche zu unterstützen.

    Begonnen habe ich an der Basis eines jeden Unternehmens, die Produktion. Dort durfte ich mich im Laufe der Jahre in verschiedensten Rollen beweisen. Anfang 2006 wechselte ich in den strategischen Einkauf mit der Vorstellung, dass ich dort mehr erleben kann und ich von der Welt auch mehr mitbekomme. Jede freie Minute verbrachte ich damals damit, sofern das Geld reichte, mit dem Rucksack die Welt zu bereisen, wobei Asien immer mein bevorzugter Erdteil war. Der Zufall wollte es, dass zu diesem Zeitpunkt KEBA jemanden für einen Einsatz in China suchte, um in unserem Joint Venture in Peking den Bereichen, Einkauf, Logistik, Produktion, Qualitätsmanagement und SAP-Einführung zur Seite zu stehen. Ein KEBAner und zweihundert Chinesen sollten das Team bilden.

    "Die Aufgabe war klar, meine Frau sagte auch "ja" und somit begann die gemeinsame Planung für das Abenteuer China!"

    Am Anfang pendelte ich zwischen Linz und Peking. Im Spätsommer 2006 sind meine Frau und ich dann nach Peking fix übersiedelt. Ich widmete mich der Arbeit und meine Frau kümmerte sich darum, dass es uns gut geht. Für den Einkauf eines Frühstücks nach österreichischem Standard war sie gut 3 Stunden unterwegs, damit wir dunkles Brot, Käse, Butter, Eier, Milch, löslichen Kaffee und so etwas ähnliches wie Schinken auf dem Tisch hatten. Damals war jeder Einkauf noch ein kleines Abenteuer und es war nie sicher wie es ausgehen würde bzw. was man danach auf dem Tisch hatte. Heute ist das anders, da es viele internationale Geschäfte in den Großstädten Chinas gibt und die Auswahl dort riesig ist.

    Zu Beginn ist alles neu und man möchte alles erfahren über die Kultur, das Essen, das Leben, die Landschaft und natürlich über die Leute. Die touristischen Highlights hat man nach ein paar Monaten durch und dann zieht mit raschen Schritten der Alltag ins Land. Man ist müde nach einem langen Arbeitstag und bleibt in der Wohnung. Einkaufen ist mühsam, der Wille die Sprache zu lernen sinkt und jede Kleinigkeit, die nicht so gut läuft wird auf einmal zum großen Thema. Es wird einem klar, dass man in einem fremden Land lebt und dort selbst der Ausländer ist. Im Job war ich am Anfang der Fremde, der böse Aufpasser, dem man mit Vorsicht begegnen muss und es gab nur wenig echten persönlichen Kontakt. Die Anpassung ist meiner Frau viel leichter gefallen und ohne sie hätte ich vielleicht einige Hürden nicht so einfach meistern können. Die Höhen und Tiefen der Gefühle, die man dabei erlebt, hat jeder und sie kommen auch laufend, nur mit dem Unterschied, dass mit der Zeit die Abstände dazwischen immer größer werden.

    "Nach einem halben Jahr begann sich dann langsam einiges zu verändern und ich wurde als Teil des Teams akzeptiert."

    Es wurden private Einladungen ausgesprochen und ich durfte die ersten Chinesen als Freunde bezeichnen. Dadurch bekamen meine Frau und ich auch einen ganz anderen Zugang zur Kultur des Landes und wir begannen China und die Entscheidungen, die dort getroffen wurden, viel besser zu verstehen. Wir konnten uns viel besser auf China einlassen und auf einmal stand das Land für uns offen mit allen Möglichkeiten die dieses wunderschöne, faszinierende Land zu bieten hat.

    Nachdem wir Peking und das Umland besser kannten, nutzten wir Auto, Zug und Flugzeuge um das riesige China zu erforschen. Man lernt die Unterschiede des Landes zwischen Norden und Süden kennen und kann die Zeitaussagen der Chinesen, was Entfernungen betrifft auf einmal viel besser deuten (diejenigen, die schon mal in China waren, wissen was ich meine). Wenn man in ein weit entferntes Land zieht, dann denkt man, dass der Kontakt zur Familie und Freunden weniger wird und die Distanz sich negativ auf die Beziehung auswirkt. Bei uns war das nicht der Fall, da die wirklichen Freunde sich aktiv meldeten und viele nutzten die Möglichkeit uns in Peking zu besuchen. Als Höhepunkt hatten wir 10 Gäste auf einmal für zwei Wochen zu Besuch und es war eine echte Herausforderung, diesen all unsere Highlights zu zeigen, ohne dass jemand dabei verloren geht.

    "Ich kann nicht genau sagen, wie oft ich die verbotene Stadt, den Himmelstempel, den Platz des himmlischen Friedens, die chinesische Mauer oder das Künstlerviertel 798 in Peking besucht habe, aber es war jedes Mal aufs Neue beeindruckend."

    Sicher gehören auch Reisen nach Zentralchina, nach Xian zur Terrakotta Armee oder in die Großstädte Chongqing (>30Mio), Shanghai, Hongkong zu den Erinnerungen, die mir bis an mein Ende bleiben werden. Die Urlaube, die man ja zum Unterschied zu den chinesischen Kollegen nach österreichischem Standard erleben kann, nutzen viele andere Europäer, die auch in China lebten, dafür nach Hause zu fliegen. Wir im Gegenteil machten Abstecher nach Vietnam, Philippinen, Singapur und Australien, wo wir auch einmal Weihnachten und Silvester verbrachten.

    "Es hört sich vielleicht so an, als ob wir nur auf Achse gewesen wären, aber der Job war hart und die abgelieferten Ergebnisse mussten natürlich stimmen."

    Montag bis Freitag waren 12-Stunden-Tage normal und am Abend ging es oft zu Geschäftsessen oder anderen Verpflichtungen, denen man nachkommen musste. Um das zu schaffen, waren Erholungsphasen wichtig um Energie zu tanken und für uns waren das eben die Reisen in neue Gegenden und Länder.

    Nach zwei Jahren war meine Aufgabe in China erledigt und es ging zurück nach Linz. Ein gutes Jahr bin ich dann noch regelmäßig zwischen China und Linz gependelt, was für meine Liebe zu Flughäfen nicht besonders förderlich war. Ich hasse es noch immer in den Wartehallen herumzulaufen und zu warten bis man in die Flieger einsteigen darf. Ich wurde damals nach meiner Rückkehr oft gefragt, wie es war und ob ich so etwas nochmal machen würde. Meine Antwort lautetet immer: „ Es war am Anfang nicht leicht, aber im Nachhinein war es in Summe eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte.“

    Heute, viele Jahre danach, bin ich noch immer bei KEBA tätig und auch noch regelmäßig in China unterwegs. Ich bin jedes Mal von Neuem überrascht über die Geschwindigkeit mit der sich das Land verändert und mit welcher Gelassenheit die Chinesen das Tempo mitgehen! Ob das gut oder schlecht ist, kann jeder für sich selber beantworten!

    Leo Reithmayr, Strategischer Einkäufer

    Christoph and the skyline of Shanghai in the background

    Leo zeigt sich in traditionellen chinesischen Kleidern.