Moderne HMI für Schleifmaschinen neu gedacht

Präzise Schleifmaschinen brauchen flexible HMI

  • Referenzen / Success Stories
  • HMI
Ein Bediener steht vor einer großen Maschine und nutzt ein schwenkbares HMI-Panel zur Steuerung. Die Anlage ist als industrielles Bearbeitungszentrum ausgeführt.
WMT Leipzig entwickelt High-End-Schleifmaschinen mit höchsten Anforderungen an Präzision, Prozessstabilität und Bedienbarkeit. Gemeinsam mit KEBA entstand eine flexible HMI-Lösung, die neue Maßstäbe in der Industrieautomatisierung setzt.

Herausforderung: Maximale Freiheit in der Bedienung

Die WMT Leipzig GmbH ist ein junges Unternehmen im technologisch anspruchsvollen Markt der Rund- und Spitzenlosschleifmaschinen. Für die Entwicklung neuer Maschinen fehlten sowohl ein bestehendes Bedienpult als auch eine geeignete HMI-Software. Am Markt verfügbare Lösungen waren primär für Dreh- und Fräsprozesse ausgelegt, boten jedoch nur eingeschränkte Unterstützung für Schleifanwendungen, insbesondere beim Spitzenlosschleifen. Gleichzeitig war der Zugriff auf alle relevanten NCK-Daten eine zentrale Voraussetzung, um die Maschinenperformance vollständig ausschöpfen zu können.

Ziel war es daher, eine frei gestaltbare, steuerungsunabhängige HMI zu entwickeln, die sowohl technologisch als auch ergonomisch neue Wege geht – und das innerhalb von nur zehn Monaten bis zur Präsentation auf der CIMT 2023

Lösung: Offene Softwareplattform als Enabler

Mit dem Bedienpanel AP 524, integriertem KeWheel und einer konsequenten Software-First-Strategie fand WMT Leipzig die passende Lösung. Das KEBA Software Framework ermöglicht eine freie Gestaltung der Bedienphilosophie und bietet gleichzeitig hohe Offenheit gegenüber Dritttechnologien.

Durch die Unterstützung von JavaFX können bestehende Applikationen, Bibliotheken und Schnittstellen nahtlos integriert und weiterverwendet werden. Das schafft nicht nur Entwicklungsgeschwindigkeit, sondern auch langfristige Investitionssicherheit. Ein konkreter Mehrwert zeigt sich direkt in der Anwendung: Bereits im HMI lassen sich Wahrscheinlichkeiten für Polygonbildung beim Schleifen berechnen und unmittelbar zur Prozessoptimierung nutzen. Dadurch wird die Bedienoberfläche selbst zu einem aktiven Bestandteil der Qualitätssicherung.

"Das gesamte Framework von KEBA ermöglicht es uns, unsere eigene Bedienphilosophie ohne Einschränkungen umzusetzen. Diese Art der Flexibilität und Offenheit kannten wir bis dato nicht.“

Stefan Cämmerer, Leiter Software-Entwicklung und Elektrokonstruktion, steht neben einem HMI-Panel und blickt in die Kamera, während im Hintergrund eine Maschine sichtbar ist. Das Display zeigt grafische Darstellungen und Prozessdaten.
Stefan Cämmerer
Software-Entwicklung und Elektrokonstruktion bei WMT Leipzig

Mehr Effizienz durch Force Feedback und KeWheel

Die Force-Feedback-Technologie ermöglicht eine sichere und präzise Bedienung direkt über das Panel. Besonders bei sicherheitsrelevanten Funktionen wie Start/Stopp ersetzt sie klassische Hardwaretasten und sorgt gleichzeitig für haptisches Feedback, das Bedienfehler reduziert.

Gleichzeitig unterstützt dieser Ansatz den Trend zur „Bedienung unter Glas“: Die Anzahl physischer Tasten wird reduziert, während die Übersichtlichkeit und Flexibilität der Benutzeroberfläche deutlich steigen.

Das KeWheel erweitert dieses Konzept um eine zentrale, multifunktionale Eingabekomponente. Es wird flexibel eingesetzt:

  • als Vorschub-Override
  • als Spindel-Override
  • als elektronisches Handrad


Die Umschaltung erfolgt kontextabhängig über das HMI, die SPS oder direkt am Gerät. Dadurch kann ein einziges Bedienelement mehrere Funktionen übernehmen – ohne zusätzliche Hardware. Ein weiterer Vorteil zeigt sich im Einrichtbetrieb: Der Vorschub kann gezielt auf 0 % gesetzt werden, sodass sich Bediener sicher an kritische Bewegungen herantasten können. Das erhöht die Prozesssicherheit und Ergonomie, insbesondere bei komplexen Schleifprozessen.

Software als Differenzierungsfaktor im Maschinenbau

Der Ansatz von WMT Leipzig zeigt, dass Software zunehmend zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal im Maschinenbau wird. Eine leistungsfähige HMI ist nicht mehr nur Bedienoberfläche, sondern integraler Bestandteil der Maschine.

Durch die Kombination aus offener Plattform, flexibler Visualisierung und direktem Datenzugriff entstehen neue Möglichkeiten, Prozesse transparenter zu gestalten und Bediener gezielt zu unterstützen. Gerade bei hochpräzisen Anwendungen wie dem Schleifen können solche Funktionen einen direkten Einfluss auf Qualität, Ausschuss und Produktivität haben.

Erfolgsgeschichten aus der Industrieautomation - Jetzt entdecken!

Hier geht's zum Lookbook

Partnerschaft auf Augenhöhe

Neben der Technologie war auch die Zusammenarbeit ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die Partnerschaft zwischen WMT Leipzig und KEBA ist geprägt von Offenheit, direkter Kommunikation und gemeinsamer Lösungsfindung. Diese enge Abstimmung ermöglichte es, Anforderungen schnell zu konkretisieren und in kurzer Zeit in eine funktionierende Lösung zu überführen.

Ausblick: Weiterentwicklung der HMI

Aktuell sind bereits mehrere Maschinentypen mit KEBA-Technologie im Einsatz. Gemeinsam arbeiten die Partner an einer neuen HMI-Werkzeugverwaltung, die Bedienprozesse weiter vereinfachen und zusätzliche Effizienzpotenziale erschließen soll. Darüber hinaus sind weitere Projekte geplant, die die Rolle der HMI als zentrale Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine weiter stärken.

WMT Leipzig zeigt damit, wie ein Unternehmen durch die Kombination aus Innovationskraft, Softwarekompetenz und offener Automatisierungsplattform nachhaltig Wettbewerbsvorteile erzielen kann.

Spitzenloses Außenrundschleifen – kurz erklärt

Was ist spitzenloses (centerless) Außenrundschleifen?

Beim spitzenlosen Schleifen wird das Werkstück nicht zwischen 2 Spitzen eingespannt, sondern zwischen Schleif- und Regelscheibe sowie einer Werkstückauflage geführt. Diese sehr stabile Art der Prozessführung ermöglicht eine hohe Präzision bei gleichzeitig kürzester Bearbeitungszeit.

Warum ist das wichtig?

  • Hohe Maß- und Rundheitsgenauigkeit → entscheidend für High-End-Bauteile für die Lagerindustrie, die Automobilbranche, den allgemeinen Maschinenbau usw.
  • Sehr gute Prozessstabilität → ideal für Serienfertigung und anspruchsvolle Toleranzen.
  • Schonende Werkstückführung → kein Einspannen, kein Druckpunkt und weniger Ausschuss.
  • Flexibilität → unterschiedliche Werkstückgrößen und Geometrien sind rasch anpassbar.

Was sind typische Anwendungen?

Kegelrollen, Düsennadeln, Kardankreuze, Hydraulikschieber, Kugelbolzen → rotationsymmetrische Präzisionskomponenten – also überall dort, wo Genauigkeit im µm-Bereich gefordert ist.

Ähnliche Beiträge

Wählen Sie Ihre Sprache aus
Ihr Browser ist veraltet
Internet Explorer wird nicht mehr unterstützt. Bitte wechseln Sie zu einem aktuellen Browser, um keba.com im vollen Umfang nutzen zu können.

Edge

Chrome

Safari

Firefox