David Kirschner: “Neugier, verantwortungsvoll eingesetzt, treibt echte Innovation voran.”
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- Digitalisierung
- 16.4.2026
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Inhalt
Wer ist David Kirschner?
Ich habe an der Technischen Universität Budapest studiert und dort einen Bachelor in Maschinenbau sowie einen Master in Mechatronik mit Schwerpunkt Robotik abgeschlossen. Während dieser Zeit fühlte sich vieles wie eine eigene Blase an – umgeben von Menschen mit ähnlichen Denkweisen.
Das änderte sich während eines Auslandssemesters in Istanbul. Diese Zeit war ebenso herausfordernd wie inspirierend. Das Studium mit Menschen aus ganz Europa hat meinen Horizont erweitert, meine Sprachkenntnisse gestärkt und mir das Selbstvertrauen gegeben, außerhalb meiner Komfortzone zu leben und zu arbeiten – eine Erfahrung, die mich bis heute prägt.
Meine berufliche Laufbahn begann ich an einem Robotik-Forschungsinstitut in Klagenfurt. Dort arbeitete ich mit modernster Technologie, beschäftigte mich mit neuen Entwicklungen und veröffentlichte Forschungsergebnisse, die auf internationalen Konferenzen präsentiert wurden. In dieser Zeit wurde meine Neugier geweckt.
Diese Neugier treibt mich an, ständig dazuzulernen, Neues auszuprobieren und innovative Technologien in die industrielle Praxis zu bringen – und ich bin stolz darauf, das seit über drei Jahren bei KEBA tun zu dürfen. Privat bin ich stolzer Vater von zwei kleinen Kindern, mit denen ich sehr gerne den Großteil meiner Freizeit verbringe. Wenn sie älter werden, möchte ich ihnen die Begeisterung und das Wissen weitergeben, das einst auch mir vermittelt wurde.
Kannst du uns einen Fun Fact über dich erzählen?
Viele Jahre lang habe ich an RC-Boot-Wettbewerben (Ferngesteuerte Modellboote) teilgenommen – mit Technik und Know-how, das ich von meinem Großvater übernommen habe. Ich konnte mehrere nationale Meistertitel in Ungarn gewinnen und hatte sogar die Möglichkeit, mein Heimatland bei einer Weltmeisterschaft zu vertreten. Vielleicht war ich schon immer ehrgeizig – oder vielleicht haben mich genau diese Wettbewerbe dazu gemacht (lacht).
Wo siehst du aktuell die größte Kompetenzlücke in der industriellen Automatisierung?
Ich denke, die größte Herausforderung liegt darin, klassische Steuerungstechnik mit modernen Softwarekompetenzen zu verbinden. Viele Ingenieur:innen sind sehr stark in der SPS-Programmierung oder im Maschinenbau, stoßen jedoch an ihre Grenzen, wenn es um Themen wie Simulation, Datenverarbeitung oder die Integration in übergeordnete IT-Systeme geht.
Gleichzeitig gilt auch das Gegenteil: Es gibt viele sehr gute Softwareentwickler:innen, die beispielsweise in C++ programmieren oder DevOps-Pipelines betreuen können, jedoch wenig Verständnis dafür haben, wie sich eine Maschine in der Realität verhält. Ohne diesen Kontext können Lösungen in der Praxis schnell an den Anforderungen vorbeigehen.
Die Branche braucht daher mehr Fachkräfte, die beide Welten verbinden – also Automatisierungsexpert:innen, die sich sowohl mit Code als auch mit Kinematik, Sensorik und Antriebstechnik auskennen.
"Die größte Kompetenzlücke besteht darin, die traditionelle Steuerungstechnik mit modernen Softwarekompetenzen zu verbinden."
"Lerne nicht nur, wie man eine SPS oder einen Roboter programmiert – lerne auch, warum Dinge auf eine bestimmte Weise gemacht werden."
Welche Technologien sollten Automatisierungsexpert:innen deiner Meinung nach prioritär erlernen?
Für mich gibt es zwei zentrale Grundlagen:
Industrielle Kommunikation & Netzwerke – das Herzstück der Automatisierung. Maschinen, Sensoren und Systeme kommunizieren ständig miteinander. Wer versteht, wie diese Kommunikation funktioniert, kann zuverlässige Anwendungen entwickeln.
Grundlagen der Regelungstechnik – denn moderne SPS-Systeme sind längst mehr als einfache Steuerungen. Sie sind leistungsfähige Computersysteme mit flexibel konfigurierbaren Laufzeitumgebungen. Ohne Verständnis für deren Architektur lässt sich ihr volles Potenzial kaum ausschöpfen.
Wer diese beiden Bereiche früh beherrscht, legt eine solide Basis für alle weiteren Technologien.
Welchen Rat würdest du jungen Automatisierungsexpert:innen mit auf den Weg geben?
Lernt nicht nur, wie man eine SPS oder einen Roboter programmiert – versteht auch, warum Dinge auf eine bestimmte Weise gemacht werden. Wer die zugrunde liegenden Prinzipien versteht, kann sich viel schneller an neue Plattformen und Technologien anpassen.
Bleibt neugierig: Die besten Ingenieur:innen, die ich kennengelernt habe, sind jene, die nie aufgehört haben zu fragen: „Was wäre, wenn wir es so versuchen?“
Ja, ich weiß … es könnte auch mit einem berühmten Zitat enden. Aber ich entscheide mich für mein eigenes Motto: Neugier, verantwortungsvoll angewendet, ist es, die echte Innovation vorantreibt.