Industrial AI: Markttrends und wo KI Mehrwert schafft

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Zwei Ingenieure nutzen KI und Digital-Twin-Technologie, um automatisierte Fertigungsprozesse in einer Smart Factory zu überwachen und zu optimieren.
Industrial AI entwickelt sich vom Prototyp zur produktiven Anwendung. Marktdaten zeigen eine zunehmende Verbreitung – und verdeutlichen zugleich, wo OEMs den größten Mehrwert erzielen: durch das Zusammenspiel von KI-gestützter Bildverarbeitung, Prozessoptimierung sowie Prognose und Analytik statt durch isolierte KI-Anwendungen.

Die Zahlen sprechen für sich: Industrial AI ist Realität – doch ihr Potenzial bleibt weitgehend ungenutzt

Nach dem aktuellen Industrie-4.0-Studienbericht von Bitkom betonen 82 % der befragten Industriebetriebe, dass der Einsatz von KI künftig entscheidend für ihre Wettbewerbsfähigkeit sein wird.

Gleichzeitig geben 42 % an, es fehle ihnen an Expertise, um KI sinnvoll in ihre Prozesse einzubinden. Nur 24 % der Unternehmen schätzen, dass ihnen bereits eine gute Nutzung der KI-Potenziale gelingt – die Mehrheit (72 %) sieht Nachholbedarf (Bitkom). Diese Zahlen belegen: Bewusstsein ist hoch, aber die praktische Umsetzung steckt vielerorts noch in den Anfängen.

Auch in Europa wächst die KI-Adoption. Laut Eurostat stieg in allen EU-Ländern der Anteil der Unternehmen, die mind. eine KI-Technologie einsetzen, im Vergleich zu 2023 deutlich an (European Commission).

In einer globaleren Perspektive zeigt die Artificial Analysis AI Adoption Survey, dass 45 % der befragten Organisationen KI bereits produktiv einsetzen (nicht nur in Piloten) – und damit der Einsatz von KI über die Erprobungsphase hinausgeht (artificialanalysis.ai).

Quelle: Artificial Analysis

Die drei zentralen KI-Kategorien

Aus den beschriebenen Marktentwicklungen lassen sich drei zentrale KI-Anwendungskategorien für die Industrie ableiten.

1) Vision & Bildverarbeitung (Qualitätsinspektion, Objekterkennung, Positionsdetektion)

Diese Kategorie umfasst Anwendungen, bei denen visuelle Daten direkt verarbeitet werden:

  • Inspektion von Oberflächen auf Fehler, Risse oder Abweichungen
  • Lokalisierung von Bauteilen / Positionserkennung
  • Objekterkennung zur Sortierung oder Klassifikation

    Solche Aufgaben profitieren stark von Edge-KI, da Latenz, Bandbreite und Echtzeitfähigkeit wichtig sind. Viele Lösungen laufen unmittelbar an der Steuerung oder auf angeschlossenen KI-Beschleunigern.

2) Prozessoptimierung & adaptive Steuerung

Hier steht die Datenintegration aus dem laufenden Betrieb im Fokus:

  • Anpassung von Parametern in Echtzeit (z. B. Drehzahlen, Fördermengen)
  • Regelung auf Basis historischer und aktueller Sensordaten
  • Closed-Loop-Optimierung (Systeme lernen, sich selbst zu justieren)

    In dieser Kategorie liegt der Mehrwert oft in kleinen, inkrementellen Verbesserungen, die sich kumulativ zu erheblichen Effizienzsteigerungen addieren.

3) Prognose & Analytik (Predictive Maintenance, Energieprognosen, Anomalieerkennung)

Die dritte Kategorie zielt auf Vorhersagen und tiefere Analysen:

  • Vorhersage von Ausfällen oder Verschleiß (Predictive Maintenance)
  • Mustererkennung und Anomaliedetektion in Zeitreihen
  • Energie-, Belastungs- oder Lastprognosen
  • Simulation und Szenarioanalyse

    Diese Anwendungen laufen häufig nicht in Echtzeit auf der Steuerung selbst, sondern ergänzend auf Analyse- oder Cloud-Komponenten, sofern Datenqualität, Konnektivität und Sicherheit gewährleistet sind.
Zwei Ingenieure nutzen KI und Digital-Twin-Technologie, um automatisierte Fertigungsprozesse in einer Smart Factory zu überwachen und zu optimieren.

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Warum das Zusammenspiel der KI-Kategorien entscheidend ist

Es kommt darauf an. Die richtige Kategorie hängt davon ab, wo Sie den größten Mehrwert schaffen. In der Praxis zeigen viele Fälle eine Hybridlösung über diese Kategorien hinweg:

  • Ein KI-Modell zur Inspektion (Kategorie 1) liefert Daten, die in die Prozessoptimierung (Kategorie 2) einfließen
  • Gleichzeitig können Auswertedaten (Kategorie 3) genutzt werden, um Langzeitstrategien abzuleiten

Der Schlüssel liegt nicht allein in der Kategorisierung, sondern in der Integration und Skalierung über diese Ebenen hinweg.

Nur so entsteht ein durchgängiges, intelligentes System, das auf Bilderkennung, Echtzeitsteuerung und Vorhersageanalytik zugleich zugreifen kann.

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Stefan Fischereder
Stefan Fischereder Product Manager Industrial AI | KEBA Industrial Automation [email protected]
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